Seminar Dr. Wang 12. - 14.04.2013
Unser Wochenende mit Dr. Wang begann am Freitag mit einem Übungsabend nur für Mitglieder des Vereins. Vor den Qigong-Übungen galt es sich aufzuwärmen, etwa mit Rückenstrecken, „der Kranich schlägt mit den Flügeln“, RenMai-Meridian. Taiji war jedoch das Hauptthema. Jede Stellung, so betonte der Meister in seiner freundlich-geduldigen Art immer wieder, muss Volumen haben und korrekt ausgeführt sein, sonst fließe keine Energie und Taiji sei nur eine schöne gymnastische Übung.
Der Samstagvormittag begann mit einer Selbstmassage der wichtigsten Akupunkturpunkte:
Vier am Kopf, fünf am Arm, sechs am Runpf, vier am Bein und vier am Rücken, ergänzt mit Klopfen und Hüpfen zum Auflockern. Danach war der ganze Körper locker und durchlässig, bereit für Qigong und Taiji. Meister Wang erläuterte anschaulich, was die Massage der einzelnen Punkte bewirkt und wozu man sie anwendet.
Im theoretischen Teil erklärte Wang, dass die buddhistische Lehre mit Bildern arbeite und deshalb gelte: „die Sonne beherrscht alles“. Übertragen auf Taiji und Qigong bedeute dies, dass der Kopf, die Psyche, den Körper reguliere, nicht umgekehrt. Demzufolge sind Qigong und Taiji Übungen des Geistes, der Vorstellungskraft, der Imagination, Übungen der Muskeln alleine seien Gymnastik, nur Technik.
Am Nachmittag war Taiji an der Reihe. Im theoretischen Teil die „Fünf Stufen des Fortschritts“, der Unterschied zu Qiqong, die Herleitung aus dem Wu Wei und den Zusammenhang zwischen den Fünf Elementen und den Acht Richtungen. Der erste Teil der Form wurde detailliert behandelt, sowohl in der Ausführung als auch in der praktischen Anwendung. Dabei verwies Meister Wang auf die Bedeutung der Reihenfolge: Wurzel, Stamm, Ast; des Volumens und des Winkels von 45 Grad in jeder Bewegung der Form, besonders jedoch bei den Anwendungen. Dies konnten wir mit ihm und gemeinsam ausprobieren.
Der Sonntag begann wieder mit Qigong. Meister Wang erläuterte den Unterschied zwischen der physischen, sichtbaren und der metaphysischen, unsichtbaren Energie. Anschließend erläuterte er die Lehre des Buddhismus vom „wenig oder nichts wollen“. Dabei betonte er, dass man, wenn man zu viele Dinge will, sie nicht alle erreicht. Daraus resultieren Wut, Enttäuschung und letztendlich Fehler, schlimmer noch Verkrampfungen und Störungen der Zirkulation in allen Systemen des Körpers und letztendlich Krankheit. Der Gegensatz dazu: Wenige Wünsche bedeuten Ruhe und Gelassenheit, machen ein Gelingen wahrscheinlich. Im praktischen Teil ging es dann um das Qigong der Meridiane die ersten sechs Übungen, nämlich Ren Mai, Lunge, Dickdarm, Magen und Dünndarm. Wang lieferte dazu Erklärungen zur Funktion dieser Meridiane.
Am Nachmittag befasste sich der Meister dann mit seiner Lehre der „Acht Prinzipien des Taiji“, welche er zumeist bereits schon angesprochen hatte. Ohne das Verständnis dieser Prinzipien sei Taiji nur Technik, nur Gymnastik. Anschließend übte er mit den Teilnehmern den zweiten und dritten Teil der Form, wenn es notwendig war, unterbrach er, korrigierte und erklärte. In der letzten Stunde befasste sich Meister Wang noch mit tuishou. Auch hier achtete er darauf, dass die Teilnehmer weder schoben noch rührten, sondern sich selbst und den Partner spürten.
Unser Wochenende mit Meister Wang war einmal mehr eine gelungene Verbindung von Theorie, dem Üben der Form und gegenseitigem Ausprobieren, von ihm immer aufmerksam beobachtet und bei Bedarf mit Korrekturen und Hilfestellungen. Trotz des vielen Stoffes war die Stimmung immer locker und entspannt, es wurde viel gelacht. Ein besonderer Dank gilt Gerda De Mucci, die aus dem Italienischen übersetzte. Ulrich Hückel nahm alles mit der Videokamera auf. Vielen klingt Wangs Ermunterung immer noch im Ohr: „uno, due tres, avaaanti“.Meister Wangs Seminar beim Tai Chi Verein Taunusstein stieß nicht nur auf großes Interesse bei vielen auswärtigen Tai Chi-Interessierten, sondern auch beim Internetsender Hessen-TV, der eine kurzen Bericht darüber fertigte.
Bilder vom Seminar mit Meister Wang finden Sie in der Bildergalerie.